Fachtitel

FACHPSYCHOLOGE/FACHPSYCHOLOGIN FÜR RECHTSPSYCHOLOGIE FSP   (Curriculum s.u.)

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Sitzungsdaten der FSP-FT-Kommission:  2017: 10.06. (einreichen bis 31.03.), 02.09. (23.06.), 25.11. (15.09.)

> Meldung: ab September 2017 wird an der Staatsanwaltschaftsakademie in Luzern der CAS in Forensischer Psychiatrie und Psychologie angeboten, der die Wissensgrundlagen für die Gutachterausbildung legt. Anmeldung www

 

FACHTITELTRÄGER der SGRP   pdf

Aebi Marcel
Aebi Thomas
Aeby Barbara
Alkan-Mewes Kenan
Bamert Yvonne
Barth Thomas
Baschung Sonja
Bechtler Perler Barbara
Benda Yves
Bersier-Buhowicz Katharina     
Best Thomas *
Beyli-Helmy May
Bieber Katrin
Bieri Rahel
Bischoff Nico Ueli
Blaser Christina Rahel
Boichat Fabienne
Bongard Stöckli Béatrice
Borchard Bernd
Brodmann Gabriela
Brülhart Marie-Louise
Buonvicini Prisca
Camenisch Edwin
Clivaz Pierre
Christoffel Ueli
Delahaye Marcel
Dingeldein Katrin Helen
Duc René *
Egli Alge Monika
Endrass Jérôme
Erni Reto
Eschmann Susanne
Fleischmann Stephan
Forgo Baer Evi
Francescotti Eric
Giger Peter

Gnoth Annika                              
Golay Roth Diane
Graber Catherine
Guldimann Angela
Gysi Tanja
Haas Henriette
Hässig Ramming Leena
Haug Debora          
Hohmann Martin
Hugener-Furrer Rebekka
Imbach Daniela
Imbach Lorenz
Imhof Monica
Jaffé Philip
Jungo Eve Carole
Koch Karina
Kohl Boesiger Karin
Kohle Katinka
Kousadianos Monica
Krexa Benjamin
Krexa-Weiss Tamara
Loher Martina
Loretan-Brunner Nadia
Ludewig Kedmi Revital
Nessbach Silke
Maag Regula
Maghun Matthias
Martin Isaac
Mayer Klaus
Mokros Andreas
Morier Sandrine
Nessbach Silke
Oberhauser Angelika
Oesch Sabine
Ostermayer Peter
Raithel Jürgen

Reinfried Hans-Werner
Renggli Bernadette
Rösch Frauke
Rossegger Astrid
Rüssli Philipp
Sanwald Roland
Schekter Viviane
Schlemper Manola
Schmalbach Stefan
Schmidli Flavia
Schollerer Esther
Schraner Markus
Södermark Louise
Steinbach Jennifer
Stepizl Julia
Stieger Eva
Stürm Matthias
Tavor Daphna
Treuthardt Daniel
Troxler Alice
Van de Meeberg Jacqueline
Vertone Leonardo
Vetter Jürg
Vogt Gunnar
Vollenweider Tanja
von Gunten Valérie
Walliser Corinne
Weiss James
Weizenegger Benedikt Patrick
Wille Matthias
Windler Martina
Wouters Emilie
Zumbino Ana

* (nicht SGRP-Mitglieder)

 


CURRICULUM DER POSTGRADUALEN WEITERBILDUNG

FACHPSYCHOLOGE/FACHPSYCHOLOGIN FÜR RECHTSPSYCHOLOGIE FSP

  1. Allgemeines zur Rechtspsychologie
  2. Individuelle Weiterbildung in Rechtspsychologie
  3. Qualifikationen der Anbieter der Ausbildung
  4. Zertifizierung
  5. Anhang: Übergangsbestimmungen

 

1. ALLGEMEINES ZUR RECHTSPSYCHOLOGIE

1.1 Was ist Rechtspsychologie?

Die Rechtspsychologie wendet psychologische Theorien, Methoden und Erkenntnisse auf Probleme des Rechtswesens an und vermittelt diese auch an Fachleute der Disziplinen Jurisprudenz und Medizin. Im Rahmen der Strafverfolgung und bei Gerichtsverfahren werden RechtspsychologInnen als unabhängige Experten hinzugezogen. Sie wirken zudem in der General- und Spezialprävention gegen Delinquenz, sowie im Opferschutz und in der Forschung über die genannten Phänomene und in der Entwicklung von Methoden zu ihrer Bekämpfung. Die Rechtspsychologie wendet ein Arsenal verschiedener Methoden aus der psychologischen Diagnostik und Therapie, aus der Psychopathologie, aus der kognitiven Psychologie (speziell Wahrnehmung und Gedächtnis), aus der Sozialpsychologie, aus der Neuropsychologie, der Psychodynamik, der Systemtheorien und nicht zuletzt aus der psychologischen Methodenlehre an.

Die postgraduale Weiterbildung in Rechtspsychologie der SGRP/SSPL soll die Qualität der klinischen und gutachterlichen Tätigkeit sichern. Die Ausbildung soll RechtspsychologInnen befähigen, selbständig alle Tätigkeiten im Bereich der klinischen und gutachterlichen Rechtspsychologie zu planen und durchzuführen sowie an Forschung in Planung, Durchführung und Auswertung aktiv teilzunehmen.

1.2 Tätigkeiten von RechtspsychologInnen

Folgende wissenschaftlich anerkannte Methoden sollten in einem Weiterbildungs-Curriculum zum selbstständigen Rechtspsychologen/in vorhanden sein:

  • Begutachtung von StraftäterInnen im Bezug auf Schuldfähigkeit, Rückfall- und Gefährlichkeitsprognose sowie Therapieindikation. Ausgewiesene Kenntnisse der Methoden und der hybriden rechtlichen und psychologischen Konstrukte und die Fähigkeit zur kritischen Analyse in der Begutachtung hinsichtlich Reliabilität und Validität des Gutachtens.
  • Strafrechtliche Glaubhaftigkeits-Begutachtung, Qualität von ZeugInnenaussagen mit Realkennzeichen, Rekonstruktion der Aussagen-Genese, Motivanalyse und Beurteilung der individuellen ZeugInnentüchtigkeit, Analyse von Suggestionseffekten.
  • Zivilrechtliche und familienrechtliche Begutachtung vorwiegend in Sorgerechts- und Obhutsfragen bei strittigen Scheidungen, Kenntnisse der Praxis insbesondere der gängigen inhaltlichen und formellen Kriterien im Familienrecht, Kenntnisse der Evaluation der Testierfähigkeit bei Erbschaftsstreitigkeiten im Zivilrecht.
  • Begutachtung für die Invalidenversicherung und Begutachtung zur Abklärung der Militärdiensttauglichkeit, sowie eidgenössische Personen-Sicherheitsprüfungen. Erkennen von Simulation und Dissimulation von Störungen, artifizielle Störungen und delegiert artifizielle Störungen (Münchausen by proxy).
  • Verwaltungsrechtliche Begutachtung insbesondere bei der Beurteilung der so genannten Waffenfähigkeit.
  • Begutachtungen für Strassenverkehrsämter bei bestehenden Zweifeln an den kraftfahrspezifischen Fähigkeiten der FahrzeugführerInnen auf Grund der Intelligenz, kognitiver Defizite oder Demenz-Erkrankungen sowie die Beurteilung der charakterlichen Fahreignung.
  • Opferhilfe – Therapie mit Opfern mit Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie (VT), anerkannte Traumatherapien (Verhaltenstherapie), Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR), Somatic Experience (SE) und Kenntnisse der Psychotraumatologie, d.h. neuropsychologische, kognitiv-behaviorale und psychodynamische Theorien über Auswirkungen von Viktimisierung auf die Psyche in verschiedenen Lebensaltern, Mediation Opfer-Täter.
  • Psychotherapie von StraftäterInnen mit Methoden der kognitiven VT, der Psychodynamik und der deliktorientierten Therapie, mit Neuro- und Biofeedback bei ADH, dissozialen Störungen und PTBS und anerkannten Traumatherapien (VT, EMDR, SE, etc.).
  • Polizeipsychologie, Personalselektion, Personalweiterbildung, Bewältigung von der berufsbedingten psychischen Belastung der Polizeiarbeit, operative Tätigkeiten wie die Ausarbeitung von Täterprofilen oder Aufträge mit psychisch gestörten Personen, Befragung von kindlicher Opfer sexueller Ausbeutung.
  • Risk-Assessment an Schulen und Betrieb, im militärischen Aushebungswesen, bei Polizeieinsätzen, Aggressionsmanagement und Interventionen in Institutionen.
  • Forensische Kinder- und Jugendpsychologie: begutachten und therapieren von minderjährige TäterInnen und Opfern, Kinder und Jugendschutz, Prävention, Begleitung sozialpädagogischer Massnahmen, Beratung von Jugendanwaltschaften bzw. -gerich­ten und den zugehörigen sozialen Diensten, Schnittstellentätigkeiten, Casemangement, Gruppenangebote und Trainingsprogramme durchführen, Zusammenarbeit in inter- bzw. multidisziplinären Teams, Qualitätssicherung bei Begutachtung und Therapie mittels Super- und Intervisionen, Kenntnis und Übersetzung der juristischen Grundlagen, Vermittlung von Wissen zur Genese und Manifestation sowie der Prävention jugendlicher Delinquenz in komplementären Fachforen, Supervisionstätigkeit in sozialpädagogischen Teams und in Organen der Jugendstrafrechtspflege, Kompetenz in der besonderen Struktur der Jugendstrafgesetzgebung und der ausführenden Einrichtungen.
  • Universitäre Lehrtätigkeit für PsychologInnen, JuristInnen und KriminalistInnen im Hauptstudium und für PsychologInnen, JuristInnen, MedizinerInnen in der postgradualen Ausbildung. Lehrtätigkeit an Fachhochschulen, Postgradualen Weiterbildungen, an poli­zeilichen und militärischen Ausbildungsinstitutionen sowie am Ausbildungszentrum für Strafvollzugspersonal.
  • Forschung Planung, Entwicklung, Durchführung, Auswertung und Publikation wissenschaftlicher Studien an einzelnen Zentren und in Forschungsverbünden. Entwicklung neuer Evaluationsmethoden, Grundlagen der Antragsstellung für Forschungsmittel z. B. bei SNF, Bundesämtern, Stiftungen, Europäische Union. Anwendung anderer Vorgehensweisen wissenschaftlicher Studienauswertung z. B. in Metaanalysen und Cochran Auswertungen. Mit Hilfe dieser Methoden wird u.a. die Qualität der psychologischen Begutachtung überprüft, die Reaktionen und Bedürfnisse von Verbrechensopfern erforscht, Delikttypen miteinander verglichen sowie die richterliche Entscheidungsfindung aus psychologischer Sicht analysiert (bzw. die Einflussfaktoren).

1.3 Rechtspsychologisches Grundlagenwissen

Kenntnisse über Entstehung von Dissozialität, über Aussagepsychologie und über Viktimologie sind essentiell. Dazu kommen die rechtlichen Grundlagen und die massgeblichen Bundesgerichtsentscheide für psychologische Tätigkeiten im Rechtswesen. Rechtspsychologie kann man zudem als eine Anwendung von psychologischer Methodenlehre verstehen, denn es ist nicht immer leicht, die rechtlichen Vorgaben mit den Erkenntnissen der psychologischen Wissenschaft unter einen Hut zu bringen. Das Arbeiten an der Schnittstelle zwischen der top-down Logik der Jurisprudenz und der bottom-up Logik der wissenschaftlichen Psychologie, erfordert fundierte Kenntnisse der Methodenlehre und der Wissenschaftstheorie. Eine fundierte Methodik ist ferner unabdingbar, da  es in  schwereren Fällen nicht selten zu politischen Kontroversen kommt und die Tätigkeit von RechtspsychologInnen dann durch Gerichtsverfahren öffentlich wird. Sei es als GutachterIn, sei es als TherapeutIn oder als AusbilderIn, die RechtspsychologInnen müssen immer auf dem neusten Stand der Methoden arbeiten und neue Erkenntnisse reflektierend in die aktuelle Arbeit einfliessen lassen können.

Methoden der Rechtspsychologie sind:

  • Aussagepsychologie (z.B. Undeutsch, Steller, Köhnken, Volbert, etc.)
  • Suggestionsforschung (z.B. Loftus)
  • Wahrnehmungs- und Gedächtnispsychologie (z.B. Schacter)
  • Gefährlichkeitsdiagnostik, z.B. HCR-20, PCL-R (Hare), Fotress (Urbaniok), Kriterienkatalog von Dittmann
  • Threat assessment (z.B. Hoffmann, Sachs)
  • psychologische Strafvollzugskunde, welche Sanktionen wirken bei welchen Straftätern mit welchen psychischen oder psychopathologischen Merkmalen wirken? (Kerner)
  • investigative Psychologie (z.B. Oevermann, Haas)
  • Diagnostik von Simulation, Dissimulation und artifizieller Störungen, inkl. Munchhausen by proxy, Kriterienvalidierung psychischer Störungen (z.B. Merten)
  • Gerechtigkeits- und Vertrauensforschung (z.B. Oswald, Hupfeld, Ludewig
  • Kriminalpsychopathologie (z.B. Meloy, Stieglitz)
  • Psychologische Viktimisierungsforschung (z.B. Alsaker, Cyrulnik, Lopez, Maerker, Schnyder, Jaffé)
  • Psychotraumatologie (Opferpsychologie, Posttraumatische Belastungsstörung, Copingstrategien, Opferhilfegesetz)
  • Polizeipsychologie und Fallanalyse (z.B. Dern)
  • Therapieforschung, störungs- und deliktorientierte Behandlung von StraftäterInnen (z.B. Ermer, Graf, Endrass)
  • Gewaltforschung (Godenzi, Gillioz, De Puy)
  • Familienrecht und Familienpsychologie (Konfliktanalyse, Kindeswohl, Familiendynamik)

1.4. Zusammenfassungen und Sammelwerke der Rechtspsychologie

Die im Anhang aufgeführte Liste beansprucht keine Vollständigkeit, sondern ist nach Kriterien der Relevanz für die Schweizer RechtspsychologInnen zusammengestellt.
 

2. INDIVIDUELLE WEITERBIDLUNG IN DER RECHTSPSYCHOLOGIE

2.1 Zulassungsbedingungen und Dauer

Nur TeilnehmerInnen mit einem abgeschlossenen universitären Psychologiestudium auf Masterstufe (resp. früher Lizentiatsstufe) werden zur Weiterbildung zugelassen. Schwerpunkt des Studiums muss entweder Sozialpsychologie, klinische Psychologie, Psychopathologie, Entwicklungspsychologie, differentielle Psychologie, angewandte Psychologie, psychologische Methodenlehre, kognitive Psychologie, Diagnostik, oder Neuropsychologie gewesen sein.

Die Dauer der Weiterbildung beträgt mindestens 5 Jahre. Die Gesamtstundenanzahl der Weiterbildung (einschliesslich Wissen & Können, Seminare, Supervision siehe unten) beträgt gemäss den Minimalanforderungen der FSP mindestens 750 Stunden.

2.2 Lernziele, die für den Fachtitel erreicht werden müssen

1)  Beherrschen spezifischer Techniken und Methoden der Rechtspsychologie

2)  Vertiefte Kenntnisse der Bedingungen und Fehlerquellen bei der empirischen Forschung an rechtspsychologischen Fragestellungen

3)  Kenntnisse aus eigener Tätigkeit über Institutionen der Rechtspflege und der psychosozialen Versorgung

4)  Befähigung zur interdisziplinären Kommunikation und Kooperation mit anderen Berufsgruppen

5)  Reflektieren der Implikation der rechtspsychologischen Tätigkeit in ihrem gesellschaftlichen, rechtlichen und ethischen Kontext

2.3 Lernmethoden

  • Klassischer ex Cathedra Unterricht
  • Eigenständige Fallarbeit
  • Eigene wissenschaftliche Tätigkeit
  • 4 eigenhändig verfasste Falldokumentationen
  • Einzelsupervision, Gruppensupervision und Intervision

2.4 Weiterbildungsinhalte: Wissen & Können (mind. 400 Stunden)

Der theoretische Unterricht - mindestens 400 Stunden Wissen und Können - , der meist in klassischer ex Cathedra Lernform oder als Vortrag bei Kongressen erfolgt, enthält sieben obligatorische und neun fakultative Themenkreise, die verschiedenen Spezialisierungen Rechnung tragen. Von den sieben folgenden obligatorischen Themenkreisen muss je das Minimum der Stunden absolviert worden sein und kann höchstens das Maximum der jeweils angegebenen Stundezahl angerechnet werden.

Im Rahmen der obligatorischen Themenkreise kann sich der einzelne Psychologe/die Psychologin frei wählen, in welchem Masse er oder sie sich auf Erwachsene oder auf Kinder und Jugendliche spezialisiert.

Obligatorische Themenkreise min.Std 
max.Std
1) Psychologische (psychiatrische) Begutachtung
(Unterricht durch PsychologInnen oder MedizinerInnen)
30 90
2) Psychotherapiemethoden mit Opfern oder Tätern
(Unterricht durch PsychologInnen oder MedizinerInnen) 
30 90
3) Einführungen ins Recht
(Unterricht durch Juristen, die HochschullehrerInnen, InhaberInnen des Anwaltspatents oder Magistraten sind) 
15 45
4) Kriminalistik und Kriminologie
(Unterricht durch HochschullehrerInnen oder an Kongressen) 
30 90
5) Kriminal-Psychopathologie und Psychotraumatologie
(Unterricht durch PsychologInnen, MedizinerInnen oder an Kongressen)
30 90
6) Psychologische Forschung über Delinquenz, Viktimisierung, Zeugen- & Aussagenpsychologie, sowie neue rechtspsychologische Methoden
(Besuch von wissenschaftlichen Kongressen)
30 90
7) Berufsspezifische Richtlinien und Ethik, Prozessvorschriften  5 10


Zusätzlich zu den obligatorischen existieren neun fakultative Themenkreise, von denen aber nur einer gewählt werden kann und mit maximal 100 Stunden an die theoretische Weiterbildung in Wissen und Können angerechnet wird.

Fakultative Themenkreise min.Std max.Std
8) Ausbildung in Mediation                                                                     0 100
9) Ausbildung in Notfallpsychologie  0 100 
10) Ausbildung in Militärpsychologie  0 100 
11) Ausbildung in Polizeipsychologie und investigativer Psychologie 0 100
12) Eigene Forschungsarbeiten (die nicht schon als akademische Qualifikation  eingereicht wurden und es auch nicht werden) 0 100
13) Ausbildung in Opferpsychologie 0 100
14) Ausbildung in Forschungsmethoden der Rechtspsychologie 0 100
15) Ausbildung in Kinder- und Jugendforensik 0 100


2.5 Supervision (200 Stunden)

Homogene Gruppenzusammensetzung max, 4-6 TeilnehmerInnen.

Homogene Gruppenzusammensetzung bedeutet: TeilnehmerInnen müssen die FSP-Kriterien erfüllen, d.h. Uni-Psychologlnnen sowie MedizinerInnen.

Mindestens 50 Stunden Supervision sollten im Einzelsetting absolviert werden. Die Supervision sollte bei zwei verschiedenen von der SGRP anerkannten SupervisorInnen absolviert werden.

2.6 Eigene praktische Tätigkeit belegt anhand eigenhändig verfasster Falldokumentationen

Die praktische Tätigkeit in der Rechtspsychologie muss einerseits mit mindestens  350 Stunden supervidierte eigene praktische Tätigkeit  und mit

mindestens vier intensiv bearbeiteten Fällen anhand eigenhändig verfasster schriftlicher Berichte nachgewiesen werden.

Dazu gehören:

  • rechtspsychologische Gutachten
  • Verlaufsberichte von über mind. 3 Jahre dauernden Behandlungen von StraftäterInnen, d.h. offizielle Massnahmeberichte oder Berichte zur Frage der Vollzugslockerung
  • Risikoanalysen, threat assessments
  • Täterprofile
  • Eignungsprofile für Polizisten oder Elite-Soldaten resp. militärische Kader

Hinweis: Die therapeutische Tätigkeit soll von der/vom SupervisorIn bestätigt werden.

2.7 Praxiserfahrung/praktische Tätigkeit

Verlangt wird eine Tätigkeit als RechtspsychologIn nach Studienabschluss (Iic. phil./Master) von mindestens fünf Jahren (auf der Basis einer 100%-Tätigkeit mit einer Klientel, die primär ins Gebiet der Rechtspsychologen fällt).

Klienten der Rechtspsychologie sind primär: Delinquente, Opfer und Zeugen von Straftaten; Gutachtenpatienten; vom Gericht zu einer Massnahme verurteilte Kinder, Jugendliche oder Erwachsene; Flüchtlinge, Kriegesgefangene, Kriegsopfer und Veteranen, Polizisten sowie Soldaten; Familien in Konfliktsituationen (Scheidung / Heimplatzierung / Sorgerecht).

Von den fünf Jahren praktischer Tätigkeit muss mindestens 1 Jahr in einer der folgenden Institutionen in Anstellung als Psychologe/in (mit Pflichtenheft einer rechtspsychologischen Tätigkeit) zu 100% gearbeitet worden sein:

  • Straf- und Massnahmevollzugsanstalten der Schweiz
  • Forensische Abteilungen der Psychiatrischen Kliniken
  • Psychiatrische Kliniken oder Ambulatorien in der Schweiz
  • Polizei oder Strafverfolgungsbehörde, Jugendanwaltschaft
  • Armee oder Personensicherheitsprüfung
  • Anstellung als PsychologIn in einer Opferhilfeeinrichtung oder einem Frauenhaus, Familienberatung
  • Anstellung in SUVA Klinik oder bei der IV
  • Anstellung als PsychologIn in einem Jugendheim, Erziehungsheim, einer Arbeitserziehungsanstalt oder im Jugendstrafvollzug
  • Anstellung als ForscherIn innerhalb eines rechtspsychologischen Forschungsprojektes (Bundesamt für Justiz, Nationalfond etc.)

Wenn nur ein gewisser Anteil der in der jeweiligen Institution betreuten Klientel in dieses Gebiet gehört, verlängert sich die obligatorische Tätigkeit in der entsprechenden Relation (z.B. wenn 33% der betreuten Klientel der obigen Liste entspricht, ist eine dreijährige Tätigkeit erforderlich). Hierfür ist ein individueller Nachweis nötig. Ansonsten gilt, dass für folgende Patientengruppen nur 50% der jeweiligen Zeit anerkannt wird: stationäre Psychiatriepatienten der allgemeinen Psychiatrie, Suchtkranke, Prostituierte, Katastrophenopfer, PTBS Patienten (allgemein), Familien in Krisen.

Achtung: Bei teilzeitlicher Tätigkeit verändert sich die geforderte Dauer ebenfalls entsprechend (mind. 40%-Anstellung) bis das Äquivalent einer 100% Anstellung und einer 100% Tätigkeit mit der oben genannten Klientel erreicht ist.
 

3. QUALIFIKATIONEN DER ANBIETER DER AUSBILDUNG

3.1 Anbieter und Trägerschaften von Weiterbildungen im Modulsystem

Als modulare Weiterbildung in Rechtspsychologie werden Veranstaltungen der im Anhang aufgeführten Trägerschaften stundenweise anerkannt, sofern sie den Vorgaben unter Punkt 2.4 (Wissen und Können) und den Bedingungen unter Punkt  3.4 (AusbildnerInnen) entsprechen und zudem nach vollendetem Hauptstudium in Psychologie erfolgen.

3.2 Kongresse

Kongresse können als modulare Weiterbildungen anerkannt werden, wenn die Mehrheit der ReferentInnen den FSP Anforderungen  an AusbildnerInnen erfüllen.

3.3 AusbildnerInnen

AusbildnerInnen für die Weiterbildung in Rechtspsychologie müssen neben der Minimalanforderungen des FSP, dem universitärer Abschluss (lic. phil./Master) über eine abgeschlossene postgraduale Weiterbildung mit Titel Rechtspsychologie FSP oder eine Venia Legendi in Rechtspsychologie an einer schweizerischen Hochschule (FachhochschulprofessorInnen und Lehrbeauftragte ohne Professur müssen ein Doktorat in Psychologie vorweisen können) verfügen.

Als Übergangsvorschrift können bis Ende 2015 auch AusbildnerInnen mit nachgewiesener  langjähriger Berufspraxis auf dem Gebiet der Rechtspsychologie anerkannt werden, sofern sie bereits vor dem 1.7.2010 Ausbildungen angeboten haben.

Maximal die Hälfte der Weiterbildungsstunden in theoretischem Wissen und Können kann durch forensische PsychiaterInnen mit FMH-Titel oder durch JuristInnen erfolgen.

Hinweis: Es können auch AusbildnerInnen mit äquivalenten ausländischen Aus- und Weiterbildungen eingesetzt werden. Es gelten die Äquivalenzbestimmungen der FSP.

Die erforderlichen Qualifikationen der AusbildnerInnen und die Prüfung derselben obliegt dem Ausschuss für Weiterbildung der SGRP (AWB), sofern dies nicht bereits  im Curricula festgelegt oder durch die Richtlinien der FSP über die Anerkennung postgradualer Weiterbildungs-Curricula geregelt ist.

3.4  SupervisorInnen

Minimalanforderungen von SupervisorInnen für die Weiterbildung sind (gemäss FSP):

  • universitärer Abschluss (Iic. phil./Master)
  • abgeschlossene postgraduale Weiterbildung in Rechtspsychologie oder Venia Legendi in Rechtspsychologie
  • 5-jährige Berufserfahrung im Fachgebiet der Weiterbildungstätigkeit

Maximal ein Drittel der Supervisionsstunden kann durch forensische PsychiaterInnen mit FMH-Titel erfolgen.

Als Übergangsvorschrift können bis Ende 2015 auch SupervisorInnen mit nachgewiesener langjähriger Berufspraxis auf dem Gebiet der Rechtspsychologie anerkannt werden, sofern sie bereits vor dem 1.1.2010 Supervisionen angeboten haben.

Hinweis: Es können auch SupervisorInnen und SelbsterfahrungstherapeutInnen mit äquivalenten ausländischen Aus- und Weiterbildungen eingesetzt werden. Es gelten die Äquivalenzbestimmungen der FSP.

Die erforderlichen Qualifikationen der SupervisorInnen und die Prüfung derselben obliegt dem Ausschuss für Weiterbildung der SGRP (AWB), sofern dies nicht bereits  im Curricula festgelegt oder durch die Richtlinien der FSP über die Anerkennung postgradualer Weiterbildungs-Curricula geregelt ist.
 

4. ZERTIFIZIERUNG

Die Auszubildenden sollen sich die einzelnen Lerneinheiten gemäss den Lernzielen selbst zusammenstellen. In der Schweiz können diese an Universitäten, bei privaten Fortbildungsstellen, an den Arbeitsorten und bei beruflichen Verbänden absolviert werden.

Die Anerkennung von auslän­di­schen Fortbildungen soll im Zweifelsfall vorgängig mit dem Ausschuss für Weiterbildung (AWB) abgesprochen werden.

Der Ausschuss für Weiterbildung der SGRP (AWB) ist für den Vollzug und die Kontrolle des vorliegenden Curriculums verantwortlich. Die AWB setzt sich aus mindestens 4, maximal 8 Mitgliedern des Vorstandes oder Kommissionen der SGRP zusammen. Sowohl die lateinische als auch die alemannische Schweiz müssen darin vertreten sein.  Die AWB ist dem Vorstand der SGRP unterstellt und rechenschaftspflichtig.

4.1 Beurteilung

Alle Leistungsausweise und insbesondere seine Arbeitstätigkeit im rechtspsychologischen Bereich mittels Anstellungsvertrag sind dem Ausschuss für Weiterbildung der SGRP (AWB) vorzulegen.
Gleichzeitig mit der Einreichung der Unterlagen ist die Anerkennungsgebühr auf das Konto der SGRP zu bezahlen, ohne die keine Prüfung des Antrags erfolgt. Diese Gebühr setzt sich je aus einem Anteil der SGRP und der FSP zusammen:

Mitglied SGRP :  1250.- SFr  /  Anteil SGRP   900.- SFr, Anteil FSP  550.- SFr
Nicht-Mitglied :   2250.- SFr  /  Anteil SGRP 1900.- SFr, Anteil FSP  550.- SFr

Wenn der Kandidat/die Kandidatin beim Einreichen des Anerkennungsdossiers noch nicht SGRP-Mitglied ist, kann der Tarif für SGRP-Mitglieder nur angewendet werden, wenn er/sie ebenfalls ein Bewerbungsdossier für eine Mitgliedschaft einreicht und definitv als Mitglied anerkannt wird.

Der AWB überprüft die eingereichten Unterlagen. Wenn die geforderten Nachweise in qualitativer und quantitativer Hinsicht erbracht sind – gemäss den vorliegenden Kriterien – stellt der Ausschuss den Antrag auf Zertifizierung durch die Fachtitelkommission der FSP.

Die Evaluation des Antragstellers oder der Antragsstellerin wird dokumentiert und ist für ihn oder sie auch einsehbar.

Für die Dokumentation ist die AWB verantwortlich.

4.2 Rekurs

Gegen den Vorentscheid des Ausschusses für Weiterbildung der SGRP oder den Entscheid der Fachtitelkommission der FSP über den Antrag auf den Fachtitel kann der/die KandidatIn bei der FSP-Rekurskommission gemäss Reglement Rekurs einreichen.

4.3 Berufsethik

Zertifizierte RechtspsychologInnen sind verpflichtet sich an die Berufsordnung der FSP zu halten und sich ebenso gemäss den Fortbildungsrichtlinien der FSP fortzubilden.

4.4 Änderungen im Curriculum

Gemäss Punkt 11 der Richtlinien über die FSP-Anerkennung postgradualer Weiterbildungs-Curricula werden alle Änderungen am Curriculum der Weiter- und Fortbildungskommission (WFBK) der FSP gemeldet.

4.5 Anerkennung anderer Fachtitel für Rechtspsychologie  und deren Ausbildner und Supervisoren

Andere Curricula für den FSP-Fachtitel Rechtspsychologie, ihre AusbildnerInnen und SupervisorInnen  werden nur, wenn diese den spezifischen Anforderungen  der SGRP entsprechen, von der SGRP anerkannt.

Für die Anerkennung weiterer Weiterbildungsgänge ist alleine die WFBK der FSP zuständig.

4.6 Kosten

Die Kosten variieren je nach Anbieter und je nach Ausbildungsort zwischen minimal 25'000.- Fr und maximal 75’000.- Fr.  Die Kosten entstehen durch den Besuch von Fortbildungsanlässen, seien es Module oder ganze Ausbildungsgänge einzelner öffentlicher oder privater Einrichtungen, Besuche von Kongressen und der Supervision. Die Kosten für die Anerkennungsgebühr belaufen sich auf 1250.- Fr.  (900.- Fr. an die SGRP, 350.- Fr. an die FSP).

Genehmigt an der DV der FSP am 26. Juni 2011 / aktualisiert auf 1. Januar 2014

 

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